Gedanken zum Fasten | Part II

4 Okt

Gedanken zum Thema Fasten

noch einige weitere Anmerkungen und praktische Gedanken:

3. die Fastentage an sich sind meistens nicht die tiefen Durchbruchstage

Den meisten Leuten, die fasten geht es so. Man hat Hunger, wird schwächer, kann vielleicht weniger klar denken, bekommt weniger hin, ist nicht so konzentriert wie sonst und oftmals auch noch gereizter.

Sprich unser Verlangen ist näher zu Gott zu kommen und die Praxis wirkt manchmal so gegenteilig. Hier ist es nicht unnormal sich zu fragen, warum mach ich das eigentlich ?! Sollte ich nicht näher an Gott sein, mehr beten und erfüllter mit Wahrheit, Frieden und ihm sein ?!

Ich glaube ein wichtiger Punkt ist, dass wir verstehen, dass Fasten seine Wirkung meist nicht unmittelbar entfaltet.

Fasten hat Kraft, Fasten verändert Dinge, aber meist sind die Tage, in denen wir auf Essen verzichtet nicht gekennzeichnet von Leichtigkeit, Geistlichkeit und Ausgeglichenheit. Das ist vor allem so, wenn wir erstmals fasten oder nicht oft fasten. Wenn du nicht daran gewöhnt bist, dann können das sehr herausfordernde Tage sein, du fühlst dich müde, abgelenkt, vielleicht hast du sogar Kopfschmerzen, da dein Körper ja entgiftet.

Und dennoch bewirkt Fasten etwas. Das ist wichtig. Es hat nicht Kraft, weil wir uns gut fühlen, mega geistlich sind oder soviel mehr beten und Gott suchen.

4. das Statement hat Kraft

Fasten an sich hat Kraft. Die Entscheidung an sich ist ein Statement das Power und Durchschlagskraft hat. Wir verzichten auf etwas, als Zeichen, das wir nicht zufrieden sind mit dem Staus Quo. Egal, ob es um Veränderung geht, um Führung, um Durchbrüche, um Umkehr, um Bestürzung über Sünde im eigenen Leben. Fasten sagt: so nicht ! Ich möchte das Dinge anders werden. Ich gebe mich nicht zufrieden. Fasten ist eine Attacke gegen Lethargie und Gleichgültigkeit.

Dieses Statement ehrt Gott, es ist ein suchen und Gott naht denen, die ihm nahen. Wir können uns nichts verdienen, aber doch finden wir nicht, wenn wir nicht suchen. Es gibt Zeiten, da müssen wir aggressiv aufstehen und handeln. Da müssen wir aufgerüttelt sein über Umstände. In der Kirchengeschichte wurde gefastet, weil keine Kraft vorhanden war, damit Menschen errettet werden uvm. Aber immer das Statement, immer die Motivation, es soll sich etwas verändern. Das kann auch das eigene Leben betreffen. Vielleicht brauchst du Veränderung in deiner Ehe, deiner Arbeitssituation, eine offene Tür, gebahnte Wege. Fasten hat viel mit uns zu tun. Gott gibt offene Türen, er will Dinge verändern, wir müssen und können das nicht durch Fasten verdienen. Aber wenn Dinge schon lange auf eine gewisse Art laufen, dann brauchen wir manchmal ein radikales Statement, ein Aufstehen, ein Zeichen, so will ich nicht mehr.

Aber jetzt folgt ein Geheimnis. Normalerweise wenn wir zu etwas aufbrechen, dann wird man aktiv, handelt, macht endlich. Aber Fasten bewirkt das Gegenteil. Ich werde schwach, müde, gereizt. Sprich, meine natürlichen, menschlichen Fähigkeiten werden hier nicht gerade stärker oder kommen besser zur Geltung. Und genau hier ist das zweite, entscheidende Statement: ich suche diese Veränderung nicht in mir und aufgrund meiner Kraft, meiner Fähigkeiten und meiner Möglichkeiten;

sondern ich suche Hilfe, Veränderung, Gunst, Segen von Gott. Ich erkläre, dass ich bedürftig bin und, dass Entscheidendes nicht von mir kommt, sondern von ihm.

Kurzum ist Fasten nicht etwas verdienen, sondern es sind eigentlich zwei Hauptaussagen:

      1. so nicht mehr !!!

      2. und die Lösung liegt nicht in mir, in meiner Kraft, sondern in Gott, deswegen wähle ich Schwäche und erwarte, dass Gott handelt

Fasten ist Glauben. Mit weniger Kraft, Freude und Friede erreiche ich mehr, weil du handelst. Das gleiche Prinzip wirkt beim Zehnten. 90 % meines Geldes + Segen ist mehr, als 100% ohne deinen Segen.

5. ein Ziel

Genau deswegen ist auch wichtig, dass wir unser Fasten aus einem bestimmten Grund machen. Wir brauchen ein Ziel, einen Grund, etwas dass uns bewegt, weswegen wir fasten. Oben und in Teil I des Artikels stehen ja schon verschiedenste Möglichkeiten, warum man fasten kann oder weswegen Personen gefastet haben. Aber ich bin sicher, jeder Einzelne hat Punkte, Situationen, die ihn bewegen, vor Gott zu kommen und zu sagen: so nicht mehr !!! Handle mein König.

Nun es gibt einen weiteren großen Aspekt, weswegen wir fasten.

6. wer regiert dich eigentlich ?

Die Schrift erklärt uns, dass unser Geist mit dem Fleisch in einem Kampf, um die Vorherrschaft über uns stehen. Sie sind einander entgegengesetzt (Gal 5,17).

Wenn wir Fasten entscheiden wir uns, unsere Seele und unseren Körper zu entwöhnen und wir erklären, welche Position sie innehaben und welche nicht.

Die ungute Verbindung dieser Beiden, nennt das Neue Testament Fleisch1. Durch Fasten widersetzen wir uns Befehlen und Bedürfnissen unseres Fleisches. Das Bedürfnis zu essen ist ja nicht falsch, aber es ist eine symbolische Handlung, in der wir erklären und Autorität ausüben, wer hier das Sagen hat, nämlich mein Geist und der Heilige Geist.

Ich erkläre, dass ich sowohl Gott gehorche und, dass er fähig ist, mich zu befähigen, das zu leben, was er mir sagt. Er regiert in mir, er ist der Chef.

Beim Thema Essen wird es deutlich. Etwas, dass mir Freude macht, soll ich nun für eine Zeit sein lassen.

Alle geistlichen Prinzipien wirken hier:

  • Ich glaube Gott, dass er es gut meint mit mir. Ich glaube, dass seine Wege immer die besten Ergebnisse bringen, obwohl ein Alltag ohne Essen echt bitter ist (finde ich zumindest)

  • Ich mache mich eins mit seiner Ansage. Er gibt eine Richtung vor, ich folge ihr. Gehorsam, genauer Glaubensgehorsam (Gehorsam aus Vertrauen)

  • etwas in mir will das nicht. Meine Seele und mein Körper wollen nicht auf Pasta mit leckerem Käse verzichten. Falls nicht in den Tagen der Vorbereitung, spätestens, wenn es soweit ist und du Pasta mit Käse riechst

  • hier erkläre ich: egal, was mein Fleisch will, ich gehorche und folge Gottes Weisung in meinem Leben

  • Warum ? Weil er vertrauenswürdig ist, weil er es gut meint und weil bei ihm das Beste rauskommt

  • wenn ich es nicht schaffe und esse, weiß ich mich geliebt, ich stehe auf und gehe weiter, ich breche nicht ab

  • wenn ich merke, dass ich hier keinen Sieg habe, bin ich weder gleichgültig, noch verdammt, sondern dann ringe ich mit Gott und schaue, warum das bei mir so ist, bis ich den Sieg habe (Thema in sich)

  • in mir zementiert sich etwas: ich will Gott folgen, koste es was es wolle !

  • Warum ? Weil er es wert ist. PUNKT

  • warum noch ? Weil er das beste Leben für mich hat und ich es auf seinen Wegen finde werde

Das Fasten ist hierbei ein Symbol um diesen Prozess zu trainieren im eigenen Leben und klare Verhältnisse zu schaffen zwischen Geist und Fleisch. Es soll klar sein, wer der Boss ist.

Wenn nun aber andere Bereiche von Gott angesprochen werden, dann kenn ich diesen Prozess schon. Ich habe mich entschieden, wer Nummer 1 ist, ich habe gelernt zu vertrauen, zu ringen, Lust und Bedürfnissen zu widerstehen, aufzustehen und dranzubleiben, mich nicht zu verdammen. Alles Dinge, die wir unbedingt brauchen, wenn wir mit Gott leben.

In meinem Leben soll nichts stärker sein als Gott: keine Zigaretten, keine Drogen, keine sexuelle Verführung, kein Erfolg, kein Ansehen, kein Shoppen. Nichts. Ich will von nichts abhängig sein, als von Gott. Zur Freiheit hat er uns berufen.

Diese Priorität klar zu haben und bereit zu sein dafür zu ringen, zu kämpfen ist ein wichtiger Teil unserer Nachfolge. Sünde widerstehen ein Muss.

Jakobus (1,12) schreibt uns: Glückselig, der Mann, der die Versuchung erduldet. Denn nachdem er bewährt ist, wird er den Siegeskranz des Lebens empfangen, den der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben.

Fasten ist ein Trainingslager, in dem wir diese Dinge schon einüben können, um im echten Wettkampf, im echten Leben gewappnet und zugerüstet zu sein.

Wie bei einer Fußballmannschaft. Standartsituationen werden immer wieder geprobt, Spielabläufe immer wieder in Theorie und Praxis durchgegangen, bis die Wege, die Strategie so klar ist, dass es im Spiel wie von selber läuft. Jeder soll wissen, was er zu tun hat, wo er steht, wer Räume schafft, wer nach hinten absichert, wer sich im Rücken frei läuft. Betrachtet man die WM 2010, dann sollte es heißen: Toooooooor, Müller !!!

Wohlgemerkt ist dies keine Abhandlung, wie wir von Dingen frei werden, die uns binden, sondern dieser Text soll uns verschiedene Aspekte von Fasten verdeutlichen. Und ein Aspekt von Fasten ist eben, dass wir Prioritäten klar setzen und lernen mit unserem Fleisch zu ringen. Aber das ist nicht das ganze Bild, wenn wir frei werden wollen von etwas, sondern eben nur ein Teil, ein wichtiger Teil.

7. nicht nur Essen

Nicht alle können Essen fasten, aufgrund, von Krankheit, Schwangerschaft oder anderen Möglichkeiten. Auch, wenn der erste Teil gerade beschreibt, weswegen diese körperliche Schwäche gut ist, sehen wir doch im zweiten Teil, dass es auch um ein entwöhnen geht bzw. gehen kann.

Deswegen ist es durchaus möglich, dass Gott uns ruft auf etwas zu verzichten, dass uns Freude bereitet oder einen großen Stellenwert in unserem Leben einnimmt.

Das kann zum Beispiel Fernsehen sein, Internet, Süßigkeiten, Salz (Mies :-) ) oder, was auch immer der König auf seiner Agenda hat. Und glaub mir, er hat tatsächlich so eine Agenda. Ziel ist das gleiche, wie eben beschrieben. Mein Geist soll stärker sein, als mein Fleisch. Ich bin regiert von ihm und nicht von Bedürfnissen, Gefühlen und Wünschen meiner Seele und meines Körpers. An Wünschen, Bedürfnissen ist an sich nichts falsch, nicht falsch verstehen (erfüllte Wünsche sind Bäume des Lebens2) aber Gott legt manchmal seinen Finger auf Punkte, die mein Leben nicht bereichern, sondern ungesund regieren.

8. was ich erlebt habe

Ich möchte zum Abschluss kurz erzählen wie das in meinem Leben erlebt habe. Eine der entscheidendsten Phasen in meinem Leben war, als Gott mich in eine 40 tägige Fastenzeit gerufen hat. Aber nicht von Essen, sondern von allem was mir Spass macht. Das hat bedeutet, keine säkularen Bücher, Artikel, Nachrichten, kein Fernsehen, Radio, Internet, keine Süßigkeiten, Kaffee, Alkohol und von Zigaretten und Drogen hatte er mich gerade 3 Wochen davor frei gemacht. Nun, faktisch hatte ich nichts mehr. Stimmt nicht ganz: Ich hatte einen 40 Stunden Job in einer Fabrik und den König. Es waren intensive Tage, wo ich den ganzen Tag gearbeitet habe und dann zu Feierabend, wo man sich gerne vor die Glotze packt oder ähnliches tut, eben das nicht tun konnte. Ich musste zu Gott, es gab ja nichts anderes. Auf den ersten Blick echt herausfordernd und das war es auch zum Teil, gerade die ersten Tage. Aber diese Zeit hat mein Leben tiefgreifend geprägt und verändert. Wie man sieht ist nichts von den oben genannten Dingen falsch, aber Gott wollte mich für sich alleine. Und er wollte, dass ich erlebe, dass er allein genügt. Und ja, er allein genügt, seine Gnade ist besser als Leben (Ps 63,4), die Wüste mit ihm , besser als ohne Gott in einem fruchtbaren Land. Ein Tag in seinen Vorhöfen, besser als Tausend sonst wo (Ps 84,11).

Immer wieder erlebe ich in meinem Leben, dass Gott Dinge für eine Zeit zurückhält, weil er sieht, dass etwas zu mächtig ist oder sein könnte in meinem Leben. Er will, dass ich von ihm abhängig bin. Er will mein Friede sein, nicht der Gehaltsscheck, er will meine tiefe, echte Freude sein, nicht die berufliche Erfolgswelle, oder ein schicker Campingbus. Sind diese Dinge falsch ? Im Gegenteil, aber er ist eifersüchtig, er will die Nummer 1 sein, er will, dass mein Verlangen und meine Lust an ihm ist.

9. echte Freiheit

Gott will, dass wir wirklich frei sind, wenn etwas zu viel Macht hat, um mich glücklich zu machen, oder mir Frieden zu geben, dann hat die Abwesenheit dieser Sache auch unglaubliche Kraft, mich traurig zu machen, mich zu lähmen oder mich voller Unruhe vor sich her zu treiben. Wenn diese Dinge Kraft haben, dann können sie mich lenken, pushen oder stoppen. Konkret kann das z.B auch bedeuten, dass ich dann nicht frei bin, Gottes Wille zu tun, sondern ich werde aus Angst und Mangel heraus handeln. Wenn Gott mich zum Beispiel in eine bestimmte Richtung ruft, aber ich abhängig bin von Erfolg, und sein Weg den Abbruch einer erfolgreichen Karriere bedeutet, dann kann es sein, dass ich Gott nicht folgen werde. Das gleiche kann sein, wenn Gott mich ruft einen Weg einzuschlagen, auf dem ich finanziell (sichtbarer) abhängig bin von ihm, ich aber meine Sicherheit im Gehaltsscheck meines Arbeitgebers habe. Dann wird es schwer sein im nachzujagen. Wir dürfen nie vergessen, seine Wege sind die Besten, die erfüllendsten. Es sind die Wege, die mir Leben im Überfluss bescheren und einer verlorenen Welt Hoffnung und Zuversicht.

Ein Tag mit ihm sind besser als tausend sonst wo und seinen Willen tun ist echte Speise, wenn wir uns ihm ganz ausliefern, wer das Leben mit ihm erlebt, seine Nähe, seine Führung, seinen Frieden, seine Freude, wird satt sein und dann gilt diese Verheißung aus Psalm 37,4:

Habe deine Lust am Herrn und er wird dir geben, was dein Herz begehrt.

In diesem Sinne ist Fasten ein sinnvolles Instrument in unserer Nachfolge.

1Genauere Ausführungen zu diesem Thema z.B. im Buch Ausbrechen von Wolfhard Margies, erschienen 2004 im Aufbruch-Verlag.

2Sprüche 13,12.

No comments yet

Leave a Reply