was vor Augen ist

4 Okt

Was für ein Freund dieser Jesus doch gewesen sein muss. Petrus, Fischer, schnell zu begeistern, ein Mann voller Leidenschaft. Pläne über Pläne, was er alles machen will. Ja, Petrus hatte immer grosse Träume. Irgendwie wusste er schon immer, dass er nicht in diesem kleinen Galiläa bleiben würde. Er war Fischer, aber hey, warum nicht eine Fischereikette aufbauen ? Ein Unternehmen, dass ganz Israel versorgen würde, oder vielleicht sogar guten Genezareth-Fisch bis nach Damaskus liefern würde, oder in andere Teile der Welt, die keinen eigenen guten Fisch haben ?!

Irgendwie ahnte er schon als Kind, dass er mal was wichtiges machen würde. Und das erzählte er auch jedem. Man wusste schon, dass dieser Petrus viele Träume hat, viel erzählt und, wenn wir ganz ehrlich sind, im Endeffekt doch nicht wirklich etwas anpackt. Viele Ideen hatte der schon gehabt und wie oft, war seine Leidenschaft, seine Motivation schon nach wenigen Tagen verschwunden. Kaum gab es Probleme oder Stress, kaum erlebte er ein wenig Widerstand, da war es das dann auch gewesen mit seiner Idee. Manchmal kam auch einfach eine neue, eine bessere Idee, dann wurde eben die verfolgt, bis , ja genau eine noch bessere Idee, die alte hinfällig machte. So gingen die Tage, Woche und Jahre ins Land.

Ja, eben bis zu diesem einen Tag. Als plötzlich dieser Mann in sein Boot einsteigen wollte. Sollte er wirklich derjenige sein, von dem Johannes ihm erzählt hatte ? Der Retter, der Messias ? Seine Eltern hatten ihm viel erzählt von einer Zeit, in der Gott sich diesem kleinen Volk zu wende würde. Gewaltiges würde passieren. Dann irgendwann. Irgendwann dann … hoffentlich.

Und nun sollte irgendwann sein. Jetzt, heute ? Und er war plötzlich mitten drin, er und sein Boot ?!

Die Predigt war klasse, aber als sein Boot dann voll mit Fischen war und er in seine Augen blickte, da konnte er nicht mehr neutral bleiben. Fasziniert, schockiert und überwältigt von eigenen Unbedeutsamkeit, bat er den Fremden bitte sein Boot zu verlassen.

Aber dann kamen diese Sätze, die sein Leben für immer verändern sollten. Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen.

Er, solle was ? Menschen fangen ? Was soll das denn ? Wieso denn Menschen fangen ? Er verstand kein Wort, hatte keine Ahnung, was dieser Wunderwirker, der seine Schwiegermama gesund gemachte hatte von ihm wollte. Aber dennoch. Irgendwie hörte sich das gewaltig an, wichtig ! Menschen fangen. Da schwingte etwas gewaltiges, etwas ewiges mit diesen Worten mit. Etwas das sein Herz tief berührte. Etwas was diese alte Sehnsucht ansprach. Dieser Wunsch etwas gewichtiges, etwas entscheidendes zu tun.

Und als sie die Boote an Land gebracht hatten, verließen sie alles und folgten ihm nach.

Jesus wusste wer Petrus ist und er glaubte an ihn. Er wusste, dass diese Leidenschaft, diese Sehnsucht in ihm echt war. Das entsprach ihm. Viele glaubten das nicht mehr. Allen voran sein Eltern. Jetzt haut der einfach ab und rennt diesem Messias hinterher. Kann er denn nicht mal was zu Ende machen ? Das passte ins Bild. Wieder einmal, typisch Simon.

Ja typisch Simon. Das dachte er sich auch, als er seinen Freund dann verraten hatte. Jesus, nein den kenn ich nicht. Hatte er nicht gerade noch erklärt, dass er immer an seiner Seite sein würde, ja alles für ihn tun würde.

Aber dann nach diesem ganzen Drama, diese Frage. Petrus, liebst du mich ? Liebe ich dich ? Natürlich, nun, du kennst mich ja … ja, ich liebe dich. Sein Innerstes wollte kotzen. Alles zog sich zusammen. Kann er denn ja sagen, nach dem was alles war, wer nimmt das denn noch Ernst ?! Weg hier, was soll das, schrecklich ! In diesem ganzen Tumult, in dieser bekloppten Situation plötzlich die Stimme seines Meisters. Sein Freund. Der wiederholte einfach nur das, was er ihm vor drei Jahren gesagt hatte, damals am Ufer, bei seinem Boot.

Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen.

Folge mir nach. Komm.

Ja das was über all die Jahre gespürt hatte, war real. War von Gott. Diese Sehnsucht, dieses Gefühl mal was wichtiges zu tun. Das stimmte. Aber auch die Hindernisse und die Schwächen waren real. Dass er das gar nicht einfach so machen kann … wie denn auch ?! Aber Gott konnte. Und Gott wollte. Und Gott glaubte an ihn.

Jesus sieht nicht was vor Augen ist. Er kennt und erkennt uns. Er lässt sich nicht blenden von Größe, Qualifikation und dem was sonst so beeindruckt. Er kennt Herzen. Er erkennt die Tiefen. Aber er lässt sich auch nicht frustrieren, von Schwäche, Unvollkommenheit und oberflächlicher Arroganz. Er kennt Herzen.

Er sieht wer Simon wirklich ist, trotz seiner Schwächen und Patzer. Er erkennt auch wer Johannes ist, obwohl der nur darauf aus ist, Nummer 1 im Himmel zu sein. Der Größte, Beste, Schönste.

Jesus schaut ins Herz. Mir fällt es oft leicht, schwache, gebrochene Menschen zu ermutigen auf das zu schauen, was Gott mit ihnen vorhat oder ihn zu erzählen, wie Gott sie liebt. Ich sehe hier auf das Herz. Ich sehe Potential und glaube daran.

Schwerer fällt es mir, wenn jemand so überzeugt von sich ist. Sich in den Mittelpunkt drängt oder immer der Checker ist. Und auch hier höre ich wie Jesus sagt. Ich sehe was im Herzen ist. Das will ich auch.

Die Liebe glaubt alles. Ich will nicht nur Schwache wie Gott sehen, sondern auch solche, die so wirken als hätten sie die Weisheit, nun ja mit Löffeln verspeist. Jesus sieht nicht was vor Augen ist. Er erkennt Herzen, ja er verwandelt uns und verändert uns, je nachdem wie wir es brauchen, keiner bleibt wie er ist. Wir sollen werden wir er.

Er startet mit uns, dort wo wir stehen. Er kennt uns und vor allem glaubt er an uns.  

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