Staunen | verzehrendes Feuer

4 Okt

Verzehrt von seiner Schönheit und Pracht

 

 

 

Man kann das letzte Buch der Bibel unter verschiedenen Gesichtspunkten lesen. Johannes, der Freund von Jesus bekommt Einsicht in die letzten Dinge. Ein Schleier wird weggezogen und er darf sehen, was alles geschehen muss1. Er sieht das Ende dieser Erde und bezeugt, dass ein neuer Himmel und eine neue Erde sein werden und, dass Gott in unserer Mitte wohnen wird. Fantastische Aussichten … wer will da nicht ewig leben ?

Aber eine andere Tatsache fasziniert mich ebenso. Johannes, der seinen Freund Jesus, ungefähr drei Jahre Tag und Nacht begleitet hat, bekommt tiefe Einsicht und Offenbarung, wie dieser jüdische Zimmermann, dem er doch so nah war, wirklich ist. Als Jesus zu ihm kommt, wieder in Vollbesitz seiner Herrlichkeit bricht er vor seinen Füßen zusammen.

 

Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und inmitten der Leuchter einen, gleich einem Menschensohn, bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand, und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel,sein Haupt aber und die Haare waren weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füße gleich glänzendem Erz, als glühten sie im Ofen, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund ging ein zweischneidiges, scharfes Schwert hervor, und sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft.Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades.

 

Offenbarung 1,12-19

 

 

Fürchte dich nicht Johannes. Ich bin es, dein Freund Jesus, der König der Könige, Anfang und Ende, mir ist alle Macht gegeben.

Hier kann ich nur staunen. Das ist der Jesus, an den er seinen Kopf gelehnt hat2, der ihn frühmorgens zum Frühstück ruft und schon ein kleines Feuer vorbereitet hat3. Der Jesus, der die Party rettet, weil er Wasser in Wein verwandelt. Sein Freund Jesus. Sie waren gewiss enge Freunde, obwohl eindeutig war, dass er mächtig und besonders war, er war ohne Frage der Meister. Aber der Meister liebte ihn, das wußte er. Und dennoch war er einfach so normal, so gewöhnlich, ein Zimmermann aus Nazaret, er war zweifelsohne einer von ihnen.

In den drei Jahren in denen Jesus mit seinen Freunden und Schülern umherzieht lernt Johannes, Jesus als großen Lehrer kennen, als Freund, als den Wunderwirker. Ihm wird klar, dass er derjenige ist auf den alle warten, der verheißene Retter und gleichzeitig, obwohl alles außergewöhnlich ist, obwohl Zeichen und Wunder geschehen, die sie noch nie gesehen haben, ist er so normal. Nahbar, real, da.

Kurz vor seiner Kreuzigung nimmt Jesus drei seiner Freunde mit auf einen Berg, dort können sie für einen kurzen Augenblick sehen, dass dieser Jesus mehr als ein gewöhnlicher jüdischer Wunderwirker ist. Er wird verwandelt vor ihren Augen. Sie sehen nur noch grelles Licht und hören, wie Gott der Allmächtige ihn seinen Sohn nennt4. Spätestens hier ist wirklich klar, dass er mehr als nur Mensch ist. All die Höhepunkte, wie die Kreuzigung, Auferstehung und das 40 tägige Bibelstudium5 über das Reich Gottes wurzeln ihn und die Anderen tief in dem Bewusstsein, dass ihr Freund und Meister Jesus wirklich Gottes Sohn ist.

Und trotzdem nach vielen Jahren Dienst für Jesus, nachdem Johannes viel mit ihm erlebt hat. Nachdem er gesehen hat, wie er durch den heiligen Geist Gottes gebraucht wurde, um zu verkündigen und zu bezeugen, dass Jesus wirklich lebt und regiert und die Menschheit zurück zu Gott ruft, trotzdem all dem, fällt er wie Tod zu seinen Füßen, als er ihn in Herrlichkeit sieht. Er ist überwältigt, überfordert und sprachlos. Jesus ist größer, herrlicher, mächtiger, gütiger als, dass wir es je fassen könnten. Da liegt er nun, vor dem, dessen Augen wie Feuer sind.

 

Das fasziniert mich, Jesus ist heute nicht der Mensch, von dem wir in den Evangelien lesen. Er ist der auferstandene, verherrlichte Sohn von Gott. Er regiert, alles ist ihm unterworfen. Sein Aussehen und Wesen ist verzehrend. Keiner kann ihn sehen und bleiben wie er ist. Es gibt keinen Status- Quo, keine Gleichgültigkeit und keine Langeweile, wenn er sich uns so zeigt. Es gibt auch keinen neutralen Fleck, an dem wir diese Tatsache nett anerkennen. Wer in seine Augen blickt, ist gezwungen sich zu entscheiden. Sein Anspruch ist radikal. Er und niemand sonst. König der Könige. Einziger Weg zu Gott, das ist so was von politisch unkorrekt. Seine Augen drängen uns, uns zu positionieren. Keiner kann ihn sehen und bleiben wie er ist. Sein Anspruch ist absolut, seine Weisung vollkommen. Er hat immer Recht. Was er sagt ist Befehl und dennoch zwingt er niemand es zu tun. Was ein Narr muss ich sein, wenn ich es nicht tue.

 

Der ganze Himmel wird immer wieder mit hineingenommen in die Tatsache der Erlösung6. Der herrliche König hat sich schlachten lassen für die Menschen. Wie ein Lamm, das seinen Mund nicht auftut, wurde er getötet. Wenn Jesus sich als Lamm offenbart fällt der Himmel nieder und betet an. Die Engel, die lebendigen Wesen, die Ältesten. Sie sehen ihn seit mindestens 2000 Jahren und können dennoch nicht anders als sich ihm zu unterwerfen und ihn zu preisen. Es ist nicht billige Routine, keine alte Tradition. Es ist Ehrfurcht und Staunen. Faszination und Dankbarkeit. Verehrung und Hingabe. Frisch und lebendig. Jedes Mal aufs Neue.

 

Der Himmel fällt nieder vor ihm. Der Himmel betet ihn an.

 

Das brauchen wir. Als Einzelne und als Gemeinde.

 

Jesus zeig dich uns. Neu und wieder. Wir kennen dich, haben schon viel mit dir erlebt, aber wir brauchen neue, tiefere Offenbarung. Fasziniere uns, zeig uns deine Herrlichkeit. Lass uns staunen und ergriffen sein von tiefster Dankbarkeit, dass wir diesem König gehören, dass wir deine Geschwister und Kinder sind. Lehr uns deine Furcht. Verzehre uns. Lass uns in großer Ehrfurcht vor dir stehen. Verherrliche dich.

 

1Off 4,1.

2Joh 13,25.

3Joh 21,12.

4Mk 9,2-9.

5Apg 1,3.

6Off 5.

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